(9) Über Mongolei, Russland, Finnland etc. back home

Man man man, was in der Zwischenzeit so alles passiert ist...!
Nach einem nicht erwähnenswerten Aufenthalt in einigen Provinzen in der Nähe von Peking habe ich mich nach ein paar Tagen entschlossen die Heimreise anzutreten. Finanziell gesehen lief die Reise weitaus besser als geplant, mit durchschnittlich 12 € / Tag bin ich fast zwei Monate gereist und hab‘ ungefähr alles vom Land gesehen, was man mal gesehen haben sollte!
In Peking konnte ich glücklicherweise wieder bei Ben und Weiman unterkommen. Mit ihrer Wohnung im Luxusviertel (Pool, Sauna und Spa inkl.) stellten die zwei genau die Art von Unterkunftsmöglichkeit dar, die ich nach dem vielen Reisen gebraucht habe.
Und dann kam auch schon Lorenz, mit dem ich mich nach ein paar Tagen in Peking gemeinsam auf dem Weg begab. Richtung: Norden. Danach überschlugen sich die Ereignisse, daher nun eine chronologische Anordnung von dem, was passiert ist:
Visum für Mongolei in letzter Minute pünktlich abgeholt, Nachtbus an die Mongolische Grenze, Fahrt mit Jeep über die Grenze (zu dritt, obwohl er nur Platz für einen bot) mitten in der Wüste, Zug nach Ulan Baatar, Überfall eines Besoffenen, Zug nach Irkutsk, Mischung aus Grippe und Kater, zwei Tage Pause in eigener Hütte am Baikal See (inkl. Sauna), Zug nach Novosibirsk, hervorragendes Essen, Zug nach Moskau, Roter Platz und Kreml etc., Bier für 6.50 €, Zug nach St. Petersburg, erster Regenschauer der gesamten Tour, vierstündiger Opernbesuch, Nachtbus nach Finnland (Einreise in die EU!), Stadtbesichtigung um 4.00 Uhr, Fortinsel, finnische Sauna, Fähre nach Tallin, Party bis um 5 Uhr mit netten Esten, Stadtführung in Tallin (nachts), Bus nach Riga, Partyhostel, Party, Stadtführung, Bus nach Warschau, Party von 5-10 Uhr, Schlafen, Party, Schlafen, Party, Flug nach Düsseldorf (Weeze).
Und nach einer Woche Urlaub zu Hause ging’s wieder nach Heidelberg. Und hier hat die Uni wieder angefangen. Man man man, wie schnell die Zeit vergeht!



(8) Yangtze River Cruise – Der Drei-Schluchten-Damm

Ein ca. 150 m hoher und 30 m breiter Erdrutsch sorgte dafür, dass die einzige Zufahrtsstraße von Kangding nach Leshan / Chengdu mehrere Stunden gesperrt war. Daher kam ich erst zu späten Abendstunden in Leshan an, sodass ich für die Besichtigung des Riesenbuddhas eine Nacht in einem der teuren Hotels hätte übernachten müssen. Da dies nicht ganz in mein Budget passte, machte ich mich direkt nach Ankunft weiter auf den Weg in die Provinzhauptstadt Chengdu.

Enttäuscht und etwas frustriert bin ich zum Glück auf ein paar Schweizer gestoßen, die mir nicht nur die Suche nach einem Hostel erspart haben, sondern mich auch sonst ganz gut aus meiner kurzzeitigen Tiefphase herausgeholt haben. Am Vortag in Kangding war ich nämlich noch beim Visums-Office und musste darum bangen, keine Verlängerung für das am selben Tag auslaufende Visum zu bekommen. Das Office in Shangrila wollte mein Visum partout nicht verlängern, da es ja erst in einer Woche ausgelaufen wäre. In Kangding wurde ich damit konfrontiert, dass ich die vorherigen vier Tage bei keiner Polizeistation gemeldet war, was für Ausländer Pflicht ist. Normalerweise übernimmt diese Aufgabe das Hotel / Hostel, doch wenn man wie ich nachts nur in Bussen unterwegs gewesen ist und anschließend bei Locals unterkommt, dann ist man dementsprechend nicht gemeldet. Angela hat mich letztendlich für eine Nacht „nachgemeldet“ (obwohl ich gar nicht in ihrem Hostel untergekommen bin), sodass ich ohne Strafe und mit Verlängerung des Visums davon gekommen bin. Diese hat im Nachhinein nur zwei Stunden gedauert – die normale Bearbeitungszeit in Chengdu ist fünf Tage!

Da es in Chengdu nur geregnet hat, habe ich nicht viel von der Stadt gesehen; das Highlight war der Hotpot-Abend mit den Schweizern. Anschließend habe ich mich dazu durchgerungen, eine drei-Tages-Fahrt auf dem Yangtze zum Drei-Schluchten-Damm zu buchen. Mit 110 € war diese Fahrt mit Abstand die teuerste Investition der letzen fünf Wochen. Zum Großteil setzt sich der hohe Preis aus den einzelnen Gagen der Reiseagenturen zusammen, die für jene Strecke gewissermaßen ein Monopol aufgebaut haben, sodass Tickets für eine einfache Fährfahrt zum Damm nicht erhältlich sind. Vorteil einer solchen Reise: Alles ist vorgeplant – Busse warten auf einen an jeder Ecke, das Essen im Restaurant wird direkt serviert, wenn man ankommt. Nachteil: Man reist in einer chinesischen Reisegruppe. Ich wiederhole: Man reist in einer chinesischen Reisegruppe!


Im Endeffekt bedeutet dies, dass 24/7 eine völlig unmotivierte Reiseleiterin in ihr Mikrofon kreischt, ständig versucht noch irgendwelche Extras zu verkaufen, den Reisenden auch sonst nur Mist erzählt und diese, man glaube es kaum, alles ohne Hinterfragen glauben, als wären es die Worte des Herren. „Dieser heilige Stein schützt vor bösen Geistern“, „Mit diesem Tee wirst du 100 Jahre alt!“, etc. Ok, sorry. Ich mag ein wenig übertreiben, aber im Kern trifft’s die Naivität der Mitreisenden doch auf den Punkt.


Auf dem Schiff riecht es überall entweder nach Instant-Nudelsuppe, Rauch oder Urin, wobei Letzteres wirklich am Penetrantesten ist. Wie auch immer die das schaffen, es bleibt mir ein Rätsel. Was Hygiene (insbesondere Toiletten) angeht, da hat China noch ein großes Problem. Gegen Spinnen und Mäuse habe ich im Übrigen auch nichts, nur wenn mir abends, wenn ich schlafen will, Kakerlaken über die Füße laufen…


Der Drei-Schluchten-Damm an sich war, ebenso wie die drei Schluchten, sehr beeindruckend. Als ich einen LKW an der Schleuse hab vorbei fahren sehen, da wurde mir erst einmal bewusst, wie viele tausende Ladungen Beton hier verbaut wurden. Die Schleuse allein ist mehr als 6 km lang und schleust Schiffe in fünf Etappen auf insgesamt 113 m – in vier Stunden. Der Damm wurde 2006 fertig gestellt. Er sorgte mit seinem aufgestauten Seebecken für eine Umsiedlung von mehr als 1 Mio. Menschen. Als größtes Pro-Argument gilt die Schutzwirkung gegen Überschwemmungen, die im Laufe der Geschichte schon oft mehreren Hunderttausend Menschen das Leben gekostet haben. Auch bedenke man, dass für China als größter CO2 – Produzent eine Investition in erneuerbare Energien ein Schritt in die richtige Richtung ist. Die Umsiedlung der Bauern aus den Regionen, die nun überschwemmt sind, wiegt allerdings schwer als Kontra-Faktor. Zwar betont die Regierung immer wieder, dass alle Betroffenen neue Häuser samt Anbauflächen zur Verfügung gestellt bekommen haben, doch allzu rund scheint diese Umsiedlungsaktion nicht von Statten gegangen zu sein. Zusätzlich wurden durch dieses Projekt Flora und Fauna massiv beeinflusst; die Langzeitschäden sind noch nicht absehbar. Auch kulturelle Relikte sind durch die Überflutung für immer verloren gegangen, doch mal ganz ehrlich: Bauern und Kultur oder Entwicklung und Geld; was hier mehr wert ist, das dürfte uns doch klar sein.



(7) Am Rande Tibets

Der Abstecher in das Randgebiet Tibets hat sich definitiv gelohnt. Gern wäre ich weiter nach Lhasa, die Hauptstadt Tibets, gefahren, doch die angespannte Situation macht es für Ausländer oft unmöglich nach Tibet zu reisen. Wenn die „Grenzen“ mal offen sind, dann ist die Einreise nur mit einer Reisegruppe samt Reiseleiter möglich – fast so wie in Nordkorea. Freies Reisen ist somit ohnehin unmöglich, von daher habe ich mir den teuren Spaß nicht gegönnt. Ich hoffe ja noch, dass die Restriktionen in ein paar Jahren wieder aufgelockert werden, denn nach Tibet würde ich echt noch gern reisen!

Die Straßen zwischen den Städten vom nördlichen Yunnan ins westliche Sichuan winden sich über Bergketten auf einer Höhe von bis zu 5000m. Zum Großteil sind diese Straßen einfache Schotterwege, die mit ihren riesigen Schlaglöchern zu einer Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h zwingen. Bei den so steil erklommenen Hängen ist dies vielleicht aber auch eine gute Barriere, sodass die oft allzu verrückten Fahrer nicht noch waghalsiger fahren. Hier kurz meine Reisedetails:

 Shangrila – Daocheng7:30  – 19.30Uhr (12h)308 km Fahrt im Bus 
  • Ein platter Reifen unterwegs
 

Daocheng – Litang

8:00  – 14:00Uhr (6h) 149 km Fahrt im Minivan
  • Zwei platte Reifen unterwegs, inkl. Ersatzreifen, sodass wir auf Rettung warten mussten
 Litang – Xinduqiao15:00 – 7:00Uhr (16h)209 km Fahrt im Minivan
  • Ölleck unterwegs, ein paar Mal im Schlamm festgefahren, Karaokeparty im Van bis nachts um 1 Uhr
Xinduqiao – Tagong8:00 – 9:00Uhr (1h)36 km im Kleinwagen
  • Zu siebt auf fünf Plätzen


In Tagong angekommen bin ich dem Tip von Andi (Link zu seinem Blog) nachgegangen und habe mir eine Möglichkeit gesucht in einer tibetischen Familie unterzukommen. Dabei habe ich Angela kennengelernt, die seit acht Jahren mit einem Tibeter verheiratet ist. Sie arrangiert unter anderem solche Übernachtungsmöglichkeiten, setzt sich nebenbei für den Erhalt der lokaltibetischen Kunst ein und unterstützt die Lokalbevölkerung mit ihren Projekten. Mit der tibetischen Familie für einen Abend zu wohnen war sehr spannend. Wir saßen die meiste Zeit an der Feuerstelle des Hauses und quatschten, aßen und tranken Tee. Die Kommunikation war nicht allzu einfach, da Tibeter Mandarin auch erst in der Schule lernen (und bis vor zehn Jahren kaum ein Tibeter zur Schule gegangen ist). Als ich den Gastvater auf dem Heimweg beim Reiten fragte, warum denn sein Mandarin so gut ist, da sagte er, er sei zwölf Jahre hinter Gittern gewesen und hätte mit den anderen Häftlingen Chinesische gelernt. Er sei damals zusammen mit seinem Bruder in einen Streit mit fünf Leuten geraten und aus der Schlägerei sei ein dreifacher Mord (dafür habe sein Bruder 15 Jahre bekommen) und eine schwere Körperverletzung mit versuchten Todschlag geworden. Von all dem konnte man dem gastfreundlichen und absolut weltoffenen Mann kein Stück ansehen. Angela meinte später, dass in der tibetischen Kultur Mord nichts Ungewöhnliches ist und dass es bei einer üblichen Schlägerei schnell um Leben und Tod gehen kann. Daher solle man lieber der sein, der sein Messer als erster zückt, denn sonst liege man selbst am Boden.


Trotz alledem habe ich mich sehr gefreut ein wenig über die tibetische Kultur kennenzulernen und die Ansicht einiger Tibeter über die China – Tibet Frage zu hören. Dabei deckt sich die interessanterweise fast mit der der Chinesen. Die Tibeter mögen die Han-Chinesen und die Han-Chinesen mögen die Tibeter. Was beide gleichermaßen nicht mögen ist die KP (Kommunistische Partei). Einerseits sehen die Tibeter ein, dass Tibet ohne die Hilfe der KP in Hungersnot fallen würde und die Infrastruktur noch schlechter wäre, andererseits hängt in fast jedem Auto und Haus ein Großbild des Dalai-Lamas, der als einzige Führungsperson verehrt wird. Dass die KP unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe Tibet aus der Armut helfen will erkennen auch die meisten Tibeter als klassische Argumentation des Kolonialismus.

Warum ist aber gerade die Tibet-Frage so präsent in westlichen Medien? Die Uiguren in Xinjiang nördlich von Tibet werden ebenfalls unterdrückt, die Lebenssituation unterscheidet sich in einigen Teilen nur unwesentlich von jener in Tibet. Der Dalai-Lama scheint sehr gute Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, dass er auch im Westen so viele Unterstützer findet. Man bedenke allerdings auch, dass die meisten Medien ereignisorientiert arbeiten. Wenn sich in Tibet (und damit in einem Bereich, in dem westliche Medien verboten sind) ein Mönch in Flammen setzt, dann macht es eine wesentliche bessere Nachricht als ein Bericht über die Diskriminierung in Xinjiang.


(6) Tiger Leaping Gorge

Der Wanderweg war beeindruckend und relativ locker zu bewältigen. Die zwei Tage habe ich mit einer holländischen Familie verbraucht, die ich im Bus kennengelernt habe. Ich hatte so nette Company und die Vier einen kostengünstigen Reiseführer durch die Schlucht.


Heute bin ich mit dem Bus nach Shangrila gefahren. Hier werde ich voraussichtlich drei Tage bleiben (um unter anderen mein Visum zu verlängern) und später dann durch die Berge nach Kangding und Tagong fahren. Diese Städte liegen allesamt innerhalb des kulturellen und außerhalb des politischen Einflussgebiets Tibets und stellen somit eine Alternative dar, die tibetische Kultur ohne die Einreiseformalitäten für Tibet kennenzulernen.


(5) Reiseziele, die eher zu meiden sind

Als ich vor ein paar Wochen in Peking meine Reise durch China plante, da las ich glücklicherweise einen Artikel in einem Reisemagazin. Mit enthalten: Top 5 Orte, die man diesen Sommer aufgrund der Touristenmassen meiden sollte, sowie Top 20 Alternativen. Diese fünf Orte waren die Große Mauer, Yangshuo, Lijiang, Emei Mountain und Xi’an. Yangshuo war meiner Meinung nach aufgrund der vielen Touristen gut geeignet um meinen Geburtstag zu feiern, Lijiang und Emei Mountain werde ich allerdings wohl soweit meiden, wie es möglich ist. (Die Große Mauer und Xi’an habe ich ja zusammen mit meiner Familie im Februar besucht, was aufgrund der eisigen Temperaturen zwar ein Kraftakt war, allerdings auch dafür gesorgt hat, dass wir die Attraktionen für uns allein hatten.) Zu den Alternativen gehörten die Reisterrassen in Longji, das ruhige Fischerdörfchen Xingping und die Altstadt von Shaxi. Letztere habe ich nach einem jeweils zweitägigen Stop in Kunming und Dali besucht. Kunming wird meiner Meinung nach als Touri-Stadt völlig überbewertet (ebenso wie Guilin). Zwar gibt es dort ein paar schöne Parks und gut erhaltene Tempel, doch befinden diese sich allesamt in dieser dreckigen, grauen Großstadt, sodass man dort nicht wirklich seine Ruhe finden kann. Dali war mit seiner Altstadt wesentlich ansprechender, und auch das Outdoor-Angebot vor Ort war sehr viel attraktiver. Am ersten Tag bin ich mit José aus Chile am naheliegenden Cang-Gebirge entlang gewandert. Ursprünglich hatten wir geplant nach der Wanderung uns noch die Pagoden anzugucken, doch der Weg war weitaus länger als gedacht und so sind wir nach knapp elf Stunden wieder in der Altstadt angekommen. Die hat Anstrengungen sich in jedem Fall gelohnt.


Am zweiten Tag habe ich mir ein Rad geliehen um den naheliegenden Erhai – See zu umkreisen. Die Wahl gegen ein City- und für ein Mountain-Bike war wieder einmal die bessere. Einige Abschnitte kamen Dirttracks gleich, die selbst mit Cross-Motorrad schwer zu bewältigen gewesen wären. Dementsprechend sah ich nach zehn-stündiger Radtour aus… Die ersten fünf Stunden waren echt angenehm, doch nach der Mittagspause wollten meine Muskeln gar nicht mehr mitspielen. Zurück zum Hostel habe ich es dennoch irgendwie geschafft. Später stellte sich heraus, dass die Strecke 120 km lang ist; die längste Radtour meines Lebens, so far.


Die letzten zwei Tage verbrachte ich in jener vom Reisemagazin empfohlenen Stadt Shaxi. Dieses Ort ist ein Traum! Man wird von einem ca. 500 Jahre alten Marktplatz mit Schauspielhaus und Tempel empfangen und das Beste ist, im ganzen Dorf sind gerade einmal 20 Touristen. Das Dorf liegt in einer Berglandschaft, die an Süddeutschland erinnert, durch die chinesische Architektur der Dörfer jedoch verträumter wirkt. Das Hostel dort war super gemütlich (10 € für ein Luxus- Doppelzimmer), einfach der perfekte Ort um ein paar Tage abzuchillen. Es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich dort war. Warum Shaxi nicht von Touris überlaufen ist liegt wohl vor allem an der schlechten Infrastruktur. Die Anfahrt dauert ca. 4 Stunden und führt über heftige Buckelpisten, die wohl Grund dafür war, dass diverse Reisende auf der Busreise unfreiwillig ihren Mageninhalt entleerten… Es ist trotzdem zu hoffen, dass die Schnellstraße, die gerade im Bau ist, Shaxi nicht zu einem Domizil wie Dali oder Lijiang macht.

In Lijiang bin ich gestern angekommen und ich muss zugeben: die Altstadt ist umwerfend. Allerdings sind die Gassen so überfüllt, dass ein Vorankommen kaum möglich ist. 人太多, es gibt zu viele Leute. Diesen Satz hört man in China oft als Antwort auf die meisten Probleme und ja, es trifft’s irgendwie auf den Punkt. Die Mittelklasse ist mittlerweile zu einem großen Masse angewachsen, die mit Mal allesamt genug Geld zum Reisen haben. Reiseorte sind dementsprechend völlig überlaufen; nicht nur in China, auch im Ausland (ich denke da an Heidelberg).

Nach einem Tag Aufenthalt werde ich mich dementsprechend zügig auf den Weg gen Norden machen und den „Tiger Leaping Gorge“ entlang klimmen. Von vielen habe ich mittlerweile gehört, dass dieser 2 – 4 tägige Wanderweg der Höhepunkt der Chinareise war. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch, ich bin gespannt!


(4) Geburtstag mit Fremden


Mein Plan ging auf und wir hatten einen richtig schönen Abend. Anders als die meisten Hostels lag meins ein wenig abseits in ruhiger Lage, sodass wir auf der Dachterrasse bei Kerzenschein und Gitarrenmusik einen hervorragenden Abend verbrachten und in meinen Geburtstag hinein feierten. Einer aus der amerikanischen Reisegruppe, Council, hatte leider keine Zeit. Der Werte hat sich am Vortag bei einem unglücklichen Fahrradsturz den Oberarm gebrochen. Auf Empfehlung einiger Ärzte ist er direkt nach Taiwan geflogen um dort operiert zu werden. Netterweise haben sie mich per SMS immer auf dem Laufenden gehalten.

Mich hat es nicht davon abgehalten mir am selbigen Morgen auch ein Fahrrad auszuleihen, und so bin ich knapp 50 km entlang des Yulong Flusses gefahren, gewandert und geschwommen. Bester Moment dieses Abenteuers: „Der Yulong Fluss? Der ist da vorn, hinter den zwei großen Hügeln. 2km kannst du noch gut fahren, aber den letzten Kilometer wirst du dein Fahrrad in die Hand nehmen müssen, da gibt es nur einen Steinpfad. Du wirst das schon finden.“ Das war die Antwort eines Bauers, den ich mitten in der Walachei, 2km abseits eines naheliegenden Trampelpfades, beim Erdnussernten getroffen habe. Und er hatte Recht.




Wie froh ich war nach einer zweistündigen Wanderung durch den Wald und über zig Berge endlich wieder auf Zivilisation zu treffen! Nach fünf Minuten erreichte ich wieder den Fluss, der so nah an der Quelle so klar war, dass ich einfach eine Runde schwimmen musste.



Die einzigen zwei Leute, die ich morgens im Hostel kennengelernt hatte, traf ich danach natürlich auf einem abgelegenen Pfad neben dem Fluss. Die zwei, Yilai und Philip, wollten ebenfalls westlich des Flusses zurück nach Yangshuo fahren und so verbrachten wir ein paar Stunden zusammen auf den Rädern und am Abend dann auf der Dachterrasse zu meiner Feier.



Für den 10. hatte ich eigentlich geplant entlang des Li Flusses zu dem 25km entfernten Dorf Xingping zu wandern, allerdings musste ich schon nach zwei Stunden feststellen, dass der Weg entlang des Flusses zu einer Sackgasse führt und Xingping wirklich nur über die Landstraßen zu erreichen ist. Am naheliegenden Strand kamen gerade zwei Bambusboote an, die eine Gruppe spanischer Reisender samt Fahrrändern dort ablieferte. Ganz zu meinem Vorteil, denn die beiden Boote mussten so und so nach Xingping zurück fahren, sodass ich den Preis wesentlich drücken konnte. Für 6 € bin ich schließlich aufgesprungen und konnte so die wunderschöne Landschaft vom Fluss aus betrachten (siehe Bilder & Videos). Drei Stunden später kam ich an, suchte mir das einzige Hostel des Dorfes, machte Bekanntschaft mit ein paar Schweizern und Deutschen und verbrachte die letzten Stunden meines Geburtstags mit weiteren zehn Leuten auf dem Dach. Zum Skypen mit der Family war ich dann schon recht angetrunken, aber die Verbindung war sowieso schlecht – da hat das kaum einen Unterschied gemacht. Vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr zu meinem Jahrestag mal wieder in Deutschland zu sein; das macht die ganze Sache doch irgendwie einfacher.


(3) Wandern auf den Reisterrassen


„Was ist denn jetzt los?“, dachte ich. Der Busfahrer hat mich ein wenig geschüttelt, wir seien angekommen – 5.30 Uhr, drei Stunden vor geplanter Ankunftszeit. Erstaunlicherweise habe ich echt gut geschlafen.

Guilin ist als eines der Hauptreiseziele Chinesischer Touristen meiner Meinung nach völlig überbewertet. Neben einigen Parks, ein paar Pagoden und der Karstlandschaft am Li-Fluss hat die Stadt nicht viel zu bieten. Die Architektur sticht nicht besonders hervor, sodass Guilin meinen Erwartungen von träumerisch traditionellen Gassen neben romantischen Flüssen nicht gerecht wurde. Witzigerweise bin ich im Hostel wieder auf Ariel gestoßen, mit der ich ein paar Tage zuvor Hong Kong erkundet habe, nachdem wir auf einer abgelegenen Insel an der Bushaltestelle ineinander gelaufen sind. Muss ich nochmal erwähnen, wie klein die Welt doch ist? So haben wir uns an einem Tag zusammen etwa alles angeguckt, was man in Guilin sehen sollte. (siehe Bilder und Videos)

Als Ausgangspunkt für die Weiterreise zu den Reisterrassen etwa drei Stunden Busfahrt nördlich ist Guilin sehr gut geeignet. Ich hatte zunächst die Befürchtung, dass dies eine völlig von Touristen und Händlern überlaufene Touristenfalle werden wurde, aber da hatte ich glücklicherweise Unrecht. Die Wanderwege hatte man fast für sich allein, sodass bei einer solch bezaubernden Landschaft ein Eintritt von 7 € allemal angemessen war. Im Hostel (3 € / Nacht) habe ich eine wirklich nette elf-Mann-starke Reisegruppe samt Family kennengelernt, mit denen ich zusammen zu Abend gegessen habe. Abgesehen davon, dass man immer gern zum Essen eingeladen wird, war der Abend auch aufgrund der anregenden Konversationen sehr gelungen.

Am nächsten Morgen wagte ich mich dann um 5.30 Uhr auf den naheliegenden Ausgangspunkt um den Sonnenaufgang zu bewundern. Leider war es zu bewölkt, sodass dies das schönste Bild war, was ich machen konnte.



Mit meinen neuen Bekanntschaften vom Vorabend James (England) und seiner Freundin (Kanada) wanderte ich nach dem Frühstück für etwa 9 Stunden um die herumliegenden Dörfer. Die Aussicht war wirklich einzigartig! Als und der Hunger überkam, nahmen wir das Angebot einiger Frauen der lokalen Minderheit (Zhuang) an und aßen für umgerechnet einen Euro bei ihnen zu Hause. Kartoffeln, Spinat, Bohnen und Salat wurden vor unseren Augen geerntet und zusammen mit dem eigenen Reis und Eiern im Wok über einem kleiner Holzofen zubereitet. Eigens zubereiteter Tee und Reiswein gehörte selbstverständlich zum Festmahl dazu.



Meine beiden Wanderkumpanen engagieren sich in Freiwilligenarbeit und sind naturverbunden. Für jeden, der den Film „The Big Year“ gesehen hat, der kann in Owen Wilson den Charakter von James wiederfinden. Wirklich jeden Vogel auf dem Weg konnten die zwei beim Namen benennen und mir zeitgleich viel über die Insekten erzählen, denen wir über den Weg gelaufen sind. Diese Schlange hier haben sie selbstverständlich als nicht giftig identifiziert und ein wenig mit ihr gespielt.



Hier gefällt es mir so gut, hier bleibe ich noch einen Tag. Morgen fahre ich mit dem Bus nach Yangshuo, einer weiteren bekannten Touri-Stadt südlich von Guilin. Von dem, was ich von Yangshuo bisher gehört habe, sollte es der richtige Ort sein um meinen Geburtstag zu feiern. Die Amerikanische Reisegruppe wird auch da sein, sodass wir schon einmal mindestens mit zwölf Leuten feiern werden. Wahrscheinlich werde ich einfach Bier für 20 € einkaufen und allen Leuten, denen ich über den Weg laufen werde, über meine Party und jede Menge Freibier erzählen. Was kann da schon schief gehen?



(2) Wie klein die Welt doch ist...


Ein Visum für China in Hong Kong zu bekommen war kein Problem, allerdings ist die Aufenthaltsdauer auf 30 Tage und nicht, wie gewünscht, auf drei Monate beschränkt. Später habe ich mitbekommen, dass man für ein Visum nicht zur Botschaft, sondern zu privaten Firmen gehen sollte. Diese regeln 3-, 6- und 12-monats-Visen in weniger Zeit und für weniger Geld. Das stelle man sich mal vor! Eine private Firma regelt Staatsangelegenheiten schneller und günstiger als die eigentlich zuständige Behörde… Nur in China!

In der Botschaft wurde ich direkt von einem Kanadier angesprochen, ob ich denn nicht in Peking studiert hätte. Er hätte mich wohl schon öfter dort gesehen, meine Haare wären einfach so auffällig. Als ob das nicht genug wäre, treffe ich vor der Botschaft drei Kommilitonen aus Heidelberg. Wie klein die Welt ist.

Hong Kong ist eine wirklich schöne Stadt. So international wie London (leider auch so teuer), so freundlich wie Taipeh und nicht so dreckig wie Peking – hier könnte ich mir gut mein nächstes Auslandssemester vorstellen! Kantonesisch sollte ich dann allerdings auch noch lernen.

Donnerstag habe ich die Fähre nach Macau genommen. Macau stand eine Zeit lang unter portugiesischer Herrschaft. Da Portugiesisch weiterhin eine der Landessprachen ist, sind die meisten Schilder und Anzeigetafeln in Museen neben Chinesisch generell auch in Portugiesisch beschriftet. Die Architektur in der Innenstadt erinnert noch an jene Zeit. Zusammen mit ein paar Kirchenruinen wurden die wichtigsten Gebäude zum Weltkulturerbe ernannt. Mehr Bilder dazu könnt ihr auf meinem Fotoalbum bei XXX finden. In China ist Macau vor allem für seine zahlreichen Kasinos bekannt, denn anders als auf dem Festland ist hier das Glückspiel erlaubt.

Als sich herausstellte, dass das Hostel in Zhuhai, einer Stadt auf dem Festland direkt vor Macao, nur noch Zimmer für 40 € / Nacht übrig hatte, habe ich mich spontan auf den Weg zur Provinzhauptstadt Guangzhou gemacht. Auch diese Stadt war wesentlich schöner als erwartet. Vor allem die vielen Parks und Uferpromenaden waren ein angenehmer Kontrast zum tristen Peking. Im Hostel hat mich dann ein Italiener, der nun schön fünf Jahre lang in China herumreist, überzeugt, meine Zeit nicht auf Hainan, einer südlichen Insel auf der Höhe von Vietnam, zu vergeuden. Es sei dort nun viel zu schwül und am Strand wäre überhaupt nicht los, ich solle doch nächstes Mal lieber im Winter dorthin reisen. Seinem Rat folgend habe ich mein Ticket zurückgegeben und mir ein Ticket für den Nachtbus nach Guilin gekauft. Hier liege ich gerade auf 1.8 m Länge und 60 cm Breite, schreibe vor mich hin und bin mir nicht sicher, ob ich hier genug Platz zum schlafen haben werde. Wir werden sehen…



(1) Ein kleines Reisetagebuch


Eigentlich hatte ich geplant den Sommer über (etwa 8 Wochen) für die anstehenden Tests des nächsten Semesters und eventuelle Masterprogramme zu lernen, nachdem mir mitgeteilt wurde, dass mein Praktikum leider nicht so verlaufen kann, wie ich es mir vorgestellt hatte. Viele Kommilitonen haben sich nach und nach verabschiedet; an mindestens zehn Abschieds-Dinnern habe ich teilgenommen. Ähnlich wie nach meinen Auslandsaufenthalten in Taiwan und Schottland sind innerhalb dieses Jahres in Peking gute Freundschaften entstanden. Meine Erfahrung sagt mir, dass man mit jenen Freunden, die einem wichtig sind, auch meist noch Jahre danach in Kontakt steht. Zwar macht diese Erkenntnis den Abschied an sich routinierter und einfacher, die letzten Wochen in Peking so ziemlich einsam und allein zu verbringen war auf Dauer allerdings doch recht öde.

Das Reisetagebuch eines Freundes (Andreas), der zur gleichen Zeit nun ein Jahr in Taiwan verbracht hat, faszinierte mich im Nachhinein so sehr, dass ich meine Sommerpläne kurzerhand über Bord warf und meine eigene sechswöchige Reise durch China plante. (Hier der Link zu seinem Blog: Singapur - Nürnberg) Umso passender kam dann das Angebot von einem anderen Freund (Ben), der kurzerhand noch für zwei Wochen einen Ersatz für sich an seiner Englischschule sucht. Nachdem er nun offiziell mit seiner Taiwanesischen Frau Weiman verheiratet ist, wollte er die Hochzeit auch noch in seiner Heimat England feiern. Schade, dass ich nicht kommen kann, aber als Englischlehrer helfe ich doch gerne aus. So hatte die Möglichkeit ein wenig Erfahrung mit Kids (5-10 Jahre) zu sammeln und nebenbei ein wenig für meine geplante Reise zu verdienen. Der Unterricht hat echt Spaß gemacht, aber habe ich nun den größten Respekt vor denen, die dieses länger als ein paar Monate aushalten. 35 Stunden mit den kleinen Rackern sind wohl genauso stressig wie 50 Stunden im Büro oder 70 Stunden bei meinem alten Job im Theater!

Mit einer 24-Stunden Fahrt von Peking nach Shenzhen (direkt neben Hong Kong) begann gestern mein sechswöchiger Urlaub. Genauer genommen sind es zehn Wochen, aber zu den weiteren Plänen später mehr. An lange Zugfahrten auf harten Sitzen habe ich mich in China mittlerweile gewöhnt, doch die gestrige Fahrt hat die 33 Stunden nach Ürümqi oder nach Fuzhou glatt nochmal übertrumpft. Ich hatte das Glück einen Sitzplatz im Gang zu erwischen, der das Schlafen nachts nahezu unmöglich macht. Man kann seinen Kopf weder am Fenster anlehnen, noch kann man es sich auf dem Tisch gemütlich machen, und zu allem Überfluss wird man im Minutentakt angerempelt. Um kurz vor 4 Uhr morgens (nach vielleicht insgesamt 20 Minuten Schlaf) habe ich es mir einfach unter den Sitzbänken auf dem dreckigen Boden bequem gemacht. Ein paar Stunden konnte ich dort gemütlich schlafen, doch auch den vielen Kleinkindern im Abteil schien die Fahrt viel zu lang. So dauerte es nicht lange, bis dort das Kreischen wieder losging. Die Sitznachbarn waren echt nett und wir hatten viele gute, teils stundenlange Gespräche, aber ich war doch froh, als ich abends endlich in Shenzhen angekommen war. Die Ausreise nach Hong Kong, zwei Tage vor Visaablauf, verlief reibungslos und der erste Eindruck von der Stadt ist super. Für die nächsten Tage komme ich hier bei Hieu unter, mit dem ich damals in der Schule im gleichen Orchester / Big Band gespielt habe. Wie klein die Welt doch ist…